Lt. von Kreuzners Grenzpatrouille

ManusAtra

Cosmophobia-Mitglied
Lieutnant von Dorian von Kreuzner hatte schon eine Weile den Verdacht, dass diejenigen Garnisonen, die vom Kloster zu Maltay kaserniert wurden, beim Oberkommando nicht besonders beliebt waren. Wahrscheinlich war es der Neid – Versorgung, Unterkunft und Trainingsmöglichkeiten waren an der Klosterkaserne stets sehr gut und immer auf dem neuesten Stand.
Doch erst seit diesem schicksalhaften Tage wusste er, wie schwer dieser Neid wirklich wog. Am Vortag waren zwei Fähnriche, direkt von der Offiziersakademie, ins Lager seiner Grenzpatrouille geritten gekommen. Im Gepäck hatten sie ihre Marschbefehle, die sie von Kreuzners Kommando unterstellte. Bei Sigmars Hammer, diese zwei Jungspunde waren wahrlich einer Disziplinarstrafe ähnlich! Abwesend strich von Kreuzner über den polierten Kolben einer seiner Pistolen, während er abermals die verhängnisvollen Befehle durchlas. Womit hatte er das verdient? Nachdem er sich am Vortag zur Ruhe begeben hatte, fingen die Beiden schon an, ihren wahren „Nutzen“ unter Beweis zu stellen: Fähnrich Selhem befahl den Spähern von Kreuzners, ihre Ausrüstung doch gefälligst „in Ordnung“ zu bringen, man könne ja unter all dem Dreck und den Blättern kaum mehr einen Menschen, geschweigedenn einen guten Soldaten des Imperiums erkennen, sie sähen aus wie vagabundierende Wegelagerer!
Man hatte von Kreuzner nicht geweckt und so stand er am nächsten Morgen vor blitzblank polierten Spähern. In diesem Moment war er so nah wie noch nie daran gewesen, seine Erziehung und Ausbildung zu vergessen und aus der Haut zu fahren. Schlimmer noch war, dass der erste Späherwechsel des Tages bereits abgeschlossen war und somit nun paradetauglich aufgetakelte Soldaten durch die Grenzwälder auf der whisenländischen Seite des Oberen Reik „schlichen“ und versuchten, Feindbewegungen zu entdecken ohne sich selbst preiszugeben. Von Kreuzner hatte Selhem unverzüglich ins Kommandozelt beordert und ihm – hoffentlich – unmissverständlich klar gemacht, dass er keine Befehle ohne die ausdrückliche Einwilligung des Lieutnants oder eines seiner Feldwaibel zu geben hatte.
Vor von Kreuzners Zelt kam plötzlich Lärm auf, der wohl anscheinend weiteren Ärger ankündigte. Er trat aus dem Zelt, in der Hoffnung, schlimmeres zu verhindern und wurde Zeuge eines weiteren Lapsus seines Offiziersnachwuchses: Fähnrich Piet stand vor einem der Späher und belehrte ihn, wie wichtig seine Informationen auch seien, er müsse sich an seinen Rang erinnern und dementsprechend seine Vorgesetzten auch mit deren Rang ansprechen und salutieren, ehe er etwas anderes von sich gab. Von Kreuzner schob Piet wutentbrannt zur Seite. „Falk, was ist passiert? Macht Meldung und schert Euch nicht um die zeitraubenden Formalitäten!“ Schwer atmend richtete sich Späher Falk sichtlich auf, als er mit dem Lieutnant zu sprechen begann: „Sir, wir haben eine größere Gruppe Tiermenschen entdeckt, die mittels einer zurechtgeschusterten Schwimmbrücke den Fluss zu überqueren versuchen! Feldwaibel Ravenkrall ist bereits aufgebrochen, um den Feind mit seinen Armbrustschützen zu beharken, aber der Fähnrich Piet wollte mich nicht zu Euch vorlassen, um Euch bericht zu erstatten.“ Von Kreuzners Stimmung drohte an diesem Tag nie gekannte Tiefpunkte zu erreichen. Brüllend gab er Befehle: „NORDSEN, ruft Eure Männer zu den Waffen und gebt meinen Schwertträgern ebenfalls bescheid! Wo ist Rach'arg? Ich brauche ihn hier! Zwei der Musketenschützen sollen mir ein Fass Schwarzpulver und eine Rolle Lunte bringen! Los, los, los, Bewegung ihr Hunde!“ Mit einem Seitenblick auf Piet rief er weiter: „Menkren! Schafft eure Trommel hierher, der Fähnrich Piet hat sich soeben freiwillig gemeldet, diese Aufgabe von nun an zu übernehmen! Selhem! Zu mir! Ihr werdet das Banner tragen und dicht bei meinen Schwertträgern bleiben!“


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